Angelika: Tobi, sag mal, warum hast du dich eigentlich für das Volontariat bei der NZZ beworben?

Tobi: Ich hatte die Anzeige zufällig auf Facebook gesehen. Die NZZ hat in Deutschland einen guten Ruf, besonders das Feuilleton, aber ich hatte als Deutscher eigentlich nicht erwartet, dass ich genommen werde. Ich habe dann eine gewagte Bewerbung geschrieben und mit etwas Glück wurde ich genommen.

Angelika: Das war doch kein Glück. Du hast einfach die richtigen Voraussetzungen mitgebracht.

Tobi: Ja, das auch. Ich habe einen Masterabschluss in Germanistik und danach ein zweijähriges Aufbaustudium der Theater-, Film- und Fernsehkritik abgeschlossen. Währenddessen war ich unter anderem für das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung tätig. Insofern hatte ich schon journalistische Erfahrung gesammelt. Du doch auch?

Angelika: Ja, aber nur wenig. Ich habe nach dem Bachelor in Internationale Beziehungen ein Praktikum beim St. Galler Tagblatt gemacht. Dort habe ich gemerkt, dass ich nicht völlig untalentiert bin, bin dann aber nochmal an die Uni gegangen, für einen Master in Geschichte und Politik. Ein halbes Jahr vor dem Abschluss habe ich das Studium für das Volontariat unterbrochen. Diese Entscheidung habe ich nie bereut. Ich hatte schon Respekt davor, mich für die grosse NZZ zu bewerben. Aber manchmal muss man sich einfach trauen.

Tobi: Hast du dich denn aufgrund deines Studiums fürs Inlandressort entschieden?

Angelika: Natürlich. Ich habe mich immer für Schweizer Politik interessiert. Und die NZZ ist eine Zeitung, welche die Meinungsbildung im Land prägt. Das Schöne an meinem Stammressort ist ja: Du kannst über alles schreiben – über Expats, die Ehe für alle, die Energiewende. Und: Das Ressort hat eine gute Grösse. Du wirst als Volontärin nicht am ersten Tag ins kalte Wasser geworfen. Aber wenn du Ideen für Themen hast, bringst du sie auch im Blatt unter.

Tobi: Das Feuilleton ist so vielfältig wie speziell. Ich schreibe vor allem über Film, Literatur und TV-Serien. In den Monaten, die jeder von uns im Austausch in einem anderen Ressort verbracht hat, habe ich das Social Media-Team unterstützt. Im Newsroom ist natürlich vor allem Tagesaktualität wichtig, man muss schnell und direkt arbeiten. Da wir im Vergleich zu grossen deutschen Tageszeitungen ein eher übersichtliches Haus sind, lernt man auch alle anderen Abteilungen ein bisschen kennen.

Angelika: Dazu haben natürlich auch die Volo-Schulungen beigetragen, die von Kollegen aus anderen Ressorts geleitet wurden. Aber ich muss sagen: In meiner ersten Woche war ich von der Grösse des Hauses doch etwas überfordert…

Tobi: Natürlich, ich auch, vor allem von den verschiedenen Kommunikations- und Produktionssystemen. Aber damit lernt man nach einer Weile umzugehen. Das ist ja keine Hexerei.

Angelika: Stimmt. Sowieso habe ich hier gelernt: Journalismus ist viel Handwerk, nicht nur Kreativität.

Tobi: Wie der Bäcker jeden Morgen seine Brötchen backt, so produzieren wir eben eine Zeitung. Beides müssen die Leute kaufen wollen.

Angelika: Wobei wir Journalisten natürlich in einer schwierigen Zeit leben. Aber dass die NZZ noch in die Publizistik investiert, war mit ein Grund dafür, dass ich mich hier beworben habe. Und ich denke, dass im Zuge des Umbruchs in der Medienbranche für junge Leute Türen aufgehen.

Tobi: Unser Volo-Jahrgang war ja der erste, der zwölf statt der vorher nur drei Monate absolviert hat. Und das war auch sehr sinnvoll. Ich denke und hoffe, dass das Programm Chancen eröffnet – für das Haus und für neue Volontäre.